Max Welcker – Leben und Wirken (1878 – 1954)

Lehrer  –  Familienvater  –  Musiker  –  Chorleiter  –  Komponist

Max Welcker (1878 – 1954), Komponist, Volksschullehrer, ChorleiterMax Welcker erblickt am 4. Dezember 1878 in Augsburg als Sohn einer alten und bekannten Augsburger Musikerfamilie das Licht der Welt. Zunächst besucht er die katholische Schule von St. Georg und wird von seinem Vater Robert im Alter von acht Jahren im Violine spielen unterrichtet. Im Alter von 10 Jahren wechselt er in die Domschule (heute Gymnasium bei St. Stephan) und beginnt mit dem Klavierunterricht.

Sein Vater Robert spielt als 1. Geiger 44 Jahre lang im städtisches Orchester Augsburg. Seine Mutter Amalie singt als Altistin im Chor des Stadttheaters sowie im Chor der Stadtpfarrkirche St. Max und im Domchor. Beide Eltern weisen ihren Sohn Max liebevoll in die Musik ein.

„… er brauchte nur in die Fußstapfen der Eltern zu treten, um den richtigen Weg einzuschlagen, der ihn zu einem der volkstümlichsten Komponisten Bayerns machte.“

(Schwäbische Landeszeitung vom 26.11.1948)

Nach sechs Jahren Grundvolksschule in Augsburg wird Max Welcker von seinen Eltern im Alter von 12 Jahren an die Königliche Präparandenschule nach Mindelheim geschickt, denn er sollte Lehrer werden. Anschließend besucht er von 1894 – 1896 das Lehrerseminar in Lauingen und bekommt den ersten Kompositionsunterricht.

In den Jahren von 1899 bis 1905 studiert er am heutigen Leopold Mozart Konservatorium in Augsburg und wird von Prof. Fritz Spindler in Klavier und Orgel sowie von Prof. Wilhelm Weber in Kontrapunkt und Musiklehre unterrichtet.

nach oben

Der Lehrer

Der Lehrer

In den folgenden Jahren unterrichtet Max Welcker als junger Lehrer in Hagneubach, Welden, Augsburg, Oberreute, Hainhofen, Hergensweiler und Haunstetten. Neben seiner Lehrtätigkeit gibt er Klavierstunden und spielt bei Gottesdiensten die Orgel. Er wirkt bei Veranstaltungen als Pianist und Begleiter mit, tritt bei Feierlichkeiten „theatralisch“ auf und spielte Violine im Orchesterverein Hergensweiler.

Im Oktober 1900 besteht er seine Anstellungsprüfung in Augsburg. Danach arbeitet er hier als Volksschullehrer (1901 Pestalozzischule, 1908 Schule St. Ulrich, 1917-1944 Schule St. Max) und in Krumbach (Volksschule 1944-1948). Er wird 1904 als Lehrer im Schuldienst zum Beamten auf Lebenszeit ernannt, steigt bis zum Konrektor (ab 1941) auf und bekommt nach dem Zweiten Weltkrieg von seinen Krumbacher Schülern wegen seiner Stirnglatze den Spitznamen „Sultan“. 1948 wird er nach 52 Dienstjahren im Alter von 69 ½ Jahren pensioniert.

nach oben

Der Lehrer

Der Mensch und Familienvater

Max Welcker ist, geprägt durch sein Elternhaus, ein humorvoller und die katholische Religion mit Überzeugung praktizierender Mensch. Er wandert gern und reist viel durch Italien, Österreich, Schweiz, Belgien, Schweden und ganz Deutschland, bleibt seiner Heimat Schwaben aber stets verbunden.

Im Oktober 1908 gründet Max Welcker seine eigene Familie und heiratet in erster Ehe seine Lehrerkollegin Leopoldine Straßer in Krumbach/Schwaben.

1913 wird seine Tochter Maria in Augsburg geboren. Sie wächst behütet auf, besucht das Lyzeum des Englischen Institutes, studiert später Klavier in Karlsruhe und arbeitete als Musiklehrerin. 1937 heiratet sie den aus Augsburg stammenden Ludwig Johann Kolland und macht ihren Vater mit der Geburt ihrer Söhne Hubert (geb.1945) und Herbert (geb.1950) zum zweifachen Großvater.

Im Ersten Weltkrieg, den er unbeschadet übersteht, leistet er Militärdienst als Fußartillerist.

In der NS-Zeit ist Max Welcker politisch nicht engagiert. Er sieht sich nach Hitlers Machtergreifung jedoch mehrfach veranlasst, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Obwohl er mit der Ideologie der Nazis nicht sympathisiert, gibt er im Februar 1938 schließlich dem Drängen nach und wird Mitglied der NSDAP. Der Parteieintritt unter Zwang erfolgte aus der Sicht Welckers jedoch als Mittel zum Zweck, um möglichen Schaden von sich und seiner Familie abzuwenden und er stellt bei seinem Eintritt die Bedingung, dass er sein Amt als Organist und Mitglied der Kirchenverwaltung von St. Max behält. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er im Entnazifizierungsprozess 1947 als Mitläufer mit neutraler politischer Haltung eingestuft.

Der Tod von Vater Robert 1928, Mutter Amalie 1933 und seiner geliebten Ehefrau Leopoldine 1939 treffen ihn schwer. Da ihm Familie wichtig ist, heiratet er in zweiter Ehe 1941 die Witwe Anna Breunig in Augsburg.

Kriegsbedingt muss Max Welcker 1943 seine beruflichen Tätigkeiten in Augsburg einstellen. Die Familie überlebt die verheerende Zerstörung Augsburgs am 25./26. Februar 1944 und flüchtet zunächst nach Wertheim zu Verwandten. Mitte März findet er mit seiner Frau Unterkunft bei der Familie seines Schwiegervaters Straßer in Krumbach/Schwaben. Einen Monat später unterrichtet er wieder an der Volksschule Krumbach. Weihnachten 1946 schreibt er für seinen Enkel Hubert seine Lebenserinnerungen nieder.

Zu seinem 75. Geburtstag wird er 1953 als Komponist und Chorleiter vielfach geehrt. Ein halbes Jahr später erkrankt er schwer, verstirbt am 30. Juni 1954 und wird unter großer Anteilnahme der Bevölkerung auf dem Augsburger Westfriedhof beigesetzt.

nach oben

Der Musiker und Chorleiter

Der Musiker und Chorleiter

Schon während seiner Ausbildung und in seiner Wanderzeit als Junglehrer spielt er bei Gottesdiensten die Orgel und sammelt erste Erfahrungen als Dirigent. Er wirkt bei Veranstaltungen als Pianist und Begleiter mit, tritt bei Feierlichkeiten „theatralisch“ auf und spielt Violine im Orchesterverein Hergensweiler.

Von 1901 – 1943 singt er als 2.Tenor bei der Augsburger Liedertafel und wirkt als Organist an der katholischen Pfarrei St. Max. Er gründet das Maxquartett, das 1933 beim Bayerischen Rundfunk auf Sendung geht. Es spielt unter seiner Leitung ausschließlich seine Kompositionen und ist sehr beliebt.

1899 übernimmt er erstmals eine Chorleitung in Augsburg. Schnell folgen weitere Chöre, die er musikalisch betreut. Er dirigiert den Gesangsverein „Einigkeit“ Haunstetten (1899-1911), das „Sängerkränzchen“ des Vereins „Katholisches Kasino“ in Augsburg (1901-1911) und führt mit diesem Chor seine ersten eigenen Kompositionen auf. Von 1912 bis 1930 leitet Max Welcker die Sängergesellschaft „Lyra“ und wird zum Ehrenchormeister ernannt. Von 1923 bis 1943 dirigierte er den Kirchenchor der Pfarrei St. Max, Augsburg. Von 1945 bis 1954 war er Chorleiter des Liederkranz Krumbach/Schwaben und wird als streng, bestimmend und resolut beschrieben. 1954 dirigierte er in seinem letzten Konzert „Der Rose Pilgerfahrt“ von Robert Schumann, legt seinen Taktstock nach über 50-jähriger Tätigkeit als Chorleiter nieder und wurde zum Ehrenchormeister ernannt.

nach oben

Der Komponist

Der Komponist

Beeinflusst durch seine Musiklehrer komponiert Max Welcker seine ersten Werke während seiner Ausbildung am Königlichen Lehrerseminar in Lauingen/Donau. Sie wurden zwar aufgeführt, erschienen aber nicht im Druck.

Im Mai 1902 erscheint beim Musikverlag Anton Böhm & Sohn Augsburg das Marienlied „O heiligste der Frauen, Maria sei gegrüßt“. Mit dieser ersten Veröffentlichung beginnt die Zusammenarbeit zwischen Max Welcker und dem für ihn wichtigsten Musikverlag. In den folgenden Jahrzehnten erscheinen 495 weitere Werke bei Anton Böhm & Sohn Augsburg. Darunter befinden sich auch 50 Bearbeitungen anderer Komponisten und 23 Sammlungen, bei denen Max Welcker als Herausgeber fungiert.

Seine Mitgliedschaft in der Liedertafel Augsburg und das in diesem Chor herrschende künstlerische und menschliche Niveau beflügeln ihn als Komponist. Er schreibt über 150 geistliche und weltliche Werke für Männerchor und erweitert so die Literatur für Männerchor ganz erheblich. Zu einer „Gedicht-Kompositions-Konkurrenz“ der Liedertafel reicht er seine beiden Kompositionen „Sonnaschei“ und „Gretele“ ein und beide erhalten einen 1. Preis. Er vertont Texte des Liedertafelpoeten Adam Rauh und von seinem Freund Max Vogt, stellvertretender Chorleiter der Liedertafel von 1905 bis 1936. Einige seiner Kompositionen werden durch die Liedertafel aufgeführt und bei den veranstalteten Sängertreffen des Chores knüpft Max Welcker immer wieder Kontakte zu Chorleitern und Chören, denen er viele seiner Werke widmet.

Ab 1904 bereist er mindestens zweimal im Jahr die Länder Europas und nutzt ab 1908 viele seiner Reisen durch Deutschland, Österreich und die Schweiz auch beruflich zur Verbreitung seiner Kompositionen. In den nächsten Jahrzehnten lernt er auf diese Weise mehrere hundert Chorleiter, Lehrer, Geistliche, Organisten u.a. kennen und knüpft Kontakte zu verschiedenen Musikverlagen, die ab 1912 insgesamt 104 Kompositionen von ihm veröffentlichen.

Nach dem Ersten Weltkrieg beschäftigt sich Max Welcker vielfach mit dem bekannten Weihnachtslied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“. Er greift das Lied immer wieder auf und stellt es in größere Zusammenhänge. Er verarbeitet „Stille Nacht“ in vier doppelchörigen Kompositionen (op.81.1-3 und „Stille Nacht: O schönstes aller Lieder“), wobei zwei Melodien und deren dreistrophige Texte gleichzeitig mit- und gegeneinander gesungen und gespielt werden. Darüber hinaus bearbeitet er „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in seinem op.59 „Weihnachtslegende“, op.113.3 „Weihnacht: Lichterglanz vom Himmelszelt“ und die Originalmelodie von Franz Gruber als vierstimmigen Männerchor a capella in Es-Dur. Außer seinen Stille-Nacht-Verarbeitungen komponiert Max Welcker mehr als 40 Weihnachtslieder, 13 Weihnachtsspiele für Kinder, drei Klavierstücke für die Jugend op.88.5, die Deutsche Adventsmesse op.96, das Weihnachtsevangelium nach dem Evangelisten Lukas op.159.1, die Vesper zum hochheiligen Weihnachtsfest op.169, zwei Offertorien und 10 Bearbeitungen von Werken anderer Meister.

Anfang der 1920er Jahre begann Max Welckers Zeit der großen Schaffenskraft. Seine Messkompositionen in deutscher und lateinischer Sprache gewinnen immer mehr an Bedeutung. Es entstehen weit mehr als 150 Kompositionen, darunter auch zahlreiche Humoristika und Bearbeitungen. Die Zusammenarbeit mit dem Münchner Humoristen Weiß Ferdl beginnt und erstreckt sich über die nächsten 20 Jahre. Weiß führt u.a. Max Welckers humoristisches Männerquartett „Stilleben“ (1922), „Das Lied vom Zwetschg’n-Datschi“ op.93.7 und das „Aschauerlied“ auf.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstehen noch ca. 80 Kompositionen die z.T. posthum veröffentlicht wurden.

Max Welcker schrieb insgesamt 610 Werke volkstümlich-spätromantischer Musik für unterschiedlich große Chorbesetzungen, die bei 21 Musikverlagen in Deutschland und der Schweiz veröffentlicht sind. Sie sind im Max-Welcker-Werkverzeichnis MWWV erfasst. Dirigenten und Kollegen, die seine Werke pflegen, schätzen seinen gediegenen, klangvollen, makellosen Stil, der bewusst eine volkstümliche Linie bewahrt, frei von jeder Problematik. Neben dem breiten Spektrum kirchlicher Kompositionen (u.a. Kirchenlieder, Messkompositionen, Requien, Marienlieder, Weihnachtsmusik) verfasste er weltliche Kompositionen zu verschiedenen Anlässen und zahlreiche Humoristika in deutscher Sprache sowie bayerischem und schwäbischem Dialekt.

Dabei bildete Gebrauchs-Lyrik mit populärer Verständlichkeit die Grundlage für seine Kompositionen. Max Welckers Textautoren stammten mehrheitlich aus der Lehrerschaft, von Schwestern oder Patres verschiedener Ordensgemeinschaften oder Literaten und zum Teil auch aus seiner eigenen Feder.

Max Welcker verfasste zu Lebzeiten zwei eigene Werkverzeichnisse in denen er alle wichtigen Angaben zu den herausgegebenen Werken bei den verschiedenen Verlagen und die Jahreszahlen der Veröffentlichung notierte.

Sein kompositorisches Erbe wurde zunächst von seiner Familie verwaltet. Seit 2001 wird Max Welckers umfangreicher Nachlass (rund 600 Einzeldokumente) im Mittelschwäbischen Heimatmuseum Krumbach aufbewahrt.

weitere Informationen: www.wikipedia.org

nach oben

Warenkorb
Warenkorb leer